Habt ihr genauso tief
durch geatmet wie ich? Ich denke mal schon. Die Erleichterung
nach dem Spiel war allenthalben spürbar. Der eine oder andere
hatte zwar noch was zu mosern, aber der überwiegende Teil der
ca. 9.000 Energie-Anhänger verließ das Stadion mit einem Lächeln
im Gesicht. Auch die Mannschaft genoss den Gang in die Kurve
diesmal sichtlich mehr, als in den letzten Auswärtsspielen.
Sogar bei Ede glaubte ich kurz den Ansatz eines Lächelns erkannt
zu haben, als er sich bei den Fans im Block I für ihre
Unterstützung bedankte. Obwohl er irgendwie leicht verunsichert
wirkte. Scheinbar traute er der guten Stimmung bei den Fans noch
nicht so recht. Tja, wen wundert's nach den unsäglichen
Ereignissen der letzten Wochen.
Das Spiel entsprach in
seinem Verlauf größten Teils meinen Erwartungen. Denn dass die
auswärts immer tief stehenden Erfurter nieder gekämpft werden
müssen, dürfte allen klar gewesen sein. Die spielen nicht mit,
die warten auf Fehler. Und genau so war es auch. Energie hatte
in der ersten halben Sunde bestimmt 75% Ballbesitz, tat sich
aber wie auch zuletzt schon sehr schwer im Abschluss. Besonders
Jungnickel und Meszaros taten sich beim Auslassen von
Großchancen hervor. Was hab ich mich geärgert und besonders über
Letzteren aufgeregt. Man kann sich mein dummes Gesicht
vorstellen, als ausgerechnet Norbert Meszaros in der 39. aus
etwa 18 Metern Torentfernung beherzt abzog und unter tätiger
Mithilfe des Erfurters Traub zum 1:0 traf. Aber egal, Hauptsache
drin. Party. Auch danach lockerte RWE (Ost) seine defensive
Taktik nicht wirklich auf. Außer einigen Kontern und diversen
Standards waren sie nur selten in der Nähe unseres Strafraums zu
sehen, etwas wie organisierten Spielaufbau hab ich eigentlich
nicht gesehen. Ab und zu stockte mir dann aber doch der Atem,
besonders bei hohen Bällen auf den Hünen Glöden. Aber Captain G.
Berhalter gewann tatsächlich, trotz geschätzter 20 cm
Größenunterschied, so ziemlich jedes Kopfballduell. Das war eine
deutliche Steigerung und das beste Spiel seit seiner Rückkehr.
Ebenfalls stark sah ich Daniel Gunkel, der nach Vragels Ausfall
wieder in die Innenverteidigung rückte. Über die gesamte
Spieldauer wirkte er sehr aufmerksam und agil, Braham war bis
auf sein nicht gegebenes Hand-Tor bei Ihm fast vollständig
abgemeldet. Alles in Allem ließ die Abwehr heute nichts
anbrennen.
Das Spiel ließ nach der
Pause ein wenig nach. Energie war bemüht ein zweites Tor nach zu
legen, ging aber nicht mit letzter Konsequenz ans Werk.
Vielleicht wollte man das zuletzt scheinbar schon zur
Vereinstradition gewordene Konter-Gegentor vermeiden.
Rot-Weiß-Trainer René Müller (dieser fand übrigens nach dem
schwachen Spiel seiner Mannschaft und in der jetzt schon
brenzligen Situation, tatsächlich noch die Nerven sich auf dem
Weg zur Pressekonferenz mit Energie-Fans fotografieren zu
lassen) stellte erst nach über einer Stunde um, wechselte
mehrmals und ließ sein Team nun etwas offensiver spielen.
Hierdurch wurden Räume für den Energie-Sturm frei. Doch die
bekannten Schwächen verhinderten weiterhin das 2:0. Die z.T.
stereotypen Angriffe über die Außenpositionen brachten leider
nichts ein. In diesem Zeitraum, da Energie drückte und Erfurt
konterte war das Spiel noch keinesfalls gewonnen. Aber dann
machte die personifizierte Spielintelligenz des FCE den
entscheidenden Unterschied. Youssef Mokhtari nahm einen, bei
einem typischen Reghe-Dribbling abgeprallten, Ball auf und
spitzelte ihn aus etwa 10 Metern von Rechts mit einem herrlichen
Außenristheber aufs Tor. Aber auch beim 2:0 war wieder das Glück
in Form eines Erfurters im Spiel, denn Mok's Ball wurde
abgefälscht und senkte sich dann unhaltbar für Keeper Twardzik
erst im langen Eck unter die Latte. Mokhtari hatte vorher schon
einige gute Pässe, sowie Fernschüsse und Freistöße kucken
lassen. Das ist es was ich von ihm sehen will, diese vom Gegner
nicht vorher zu sehenden, bzw. unberechenbaren Aktionen.
Abgesichert wurde Mok heute vom wieder einmal super spielenden
Ade Ogungbure. Großartig gekämpft, und diesmal auch die
gewonnenen Bälle an den eigenen Mann gebracht. Beide Daumen
hoch. Jetzt endlich, also in der letzten viertel Stunde machte
Erfurt Druck, und damit hinten auf. Massig Platz für Konter
also. Doch der eingewechselte Iordache erbrachte den Beweis
dafür, dass Ede mit Jungnickel die richtige Wahl für die erste
Elf getroffen hatte. Sage und schreibe 4 (In Worten: V I E R
!!!) so genannte 100%ige Konterchancen versemmelte er innerhalb
von nur zehn Minuten. Für den positiven Abschluss des Spiels
sorgte dann in der Nachspielzeit der wieder schwer ackernde
Steffen Baumgart. Nachdem Twardzik einen Mokhtari-Freistoß nur
abprallen ließ, stand Baume genau dort wo er als Stürmer hin
gehört und konnte aus 7 Metern zum 3:0 abstauben. Direkt danach
waren zuerst der Torjubel, dann der Schlusspfiff und schließlich
jede Menge fallende Steine zu hören. Ach ja, und Gunnar? Viel
hatte er nicht zu halten, aber alles was kam hatte er sicher.
Ich persönlich freute mich als Benny Schöckel eingewechselt
wurde und auf die linke Seite ging. Das beweist nämlich dass
Eduard Geyer und ein großer Teil der Fans doch gar nicht so weit
bei ihrer Beurteilung der letzten Spiele auseinander lagen. Ich
weis nicht wie es anderen Zuschauern ging, ich für meinen Teil
kann nicht behaupten Timo Rost und besonders Ronny Nikol auf dem
Feld vermisst zu haben.
Fazit: Sieg! Ein
erkämpfter Sieg zwar, und auch gegen einen nicht gerade
"abgebrühten" Gegner, aber um nichts anderes ging es
schließlich. Mit Micha Thurk im Sturm hätten wir auch 5 oder
sogar 6:0 gewinnen können. Ich hoffe dass er nicht zu lange
ausfällt.
Mit jetzt 16 Punkten aus
zwölf Spielen und dem damit verbundenen neunten Platz sowie 5
Punkten Vorsprung auf den 15.Platz hat man doch erst einmal ein
wenig Luft zum atmen gewonnen. Das soll nicht heißen dass man
sich darauf ausruhen könnte, im Gegenteil muss jetzt erst recht
angegriffen werden um an Boden gut zu machen. Hoffen wir dass
den positiven Eindrücken vom So jetzt auch mal auswärts was
zählbares folgt. Auch wenn der Tabellendritte aus Meiderich als
Gegner natürlich ein anderes Kaliber darstellt.
"Stussysweltreporter" Rossi