Hätte ich Stussy nicht
auf der UR-Party ´nen Bericht versprochen, würdet ihr hier heut
nix von mir lesen. Ich bin im Augenblick so was von bedient,
aber versprochen... Ich weis noch gar nicht wo ich anfangen
soll. Ich leg einfach mal los.
Die gesamte letzte Woche habe ich mit sehr vielen Leuten über
die Situation des FCE gesprochen. Mit allen Sorten von Fans,
aber auch mit mehr oder weniger Außenstehenden. So viele
Gesprächspartner ich hatte, fast so viele Meinungen hörte ich
auch. Über Ede, seine Beurlaubung, den Vorstand, die Mannschaft,
die Fans usw. Das Erschreckende war, dass wir für einige noch
immer im Aufstiegsrennen sind, für Andere schon so gut wie
abgestiegen. Ich versuchte zu beruhigen, aufzumuntern oder zu
erklären. Auch wenn es manchmal schwer fiel, aber im Großen und
Ganzen ließ sich fast überall Optimismus verbreiten. Im Moment
aber, direkt nach diesem Spiel, bräuchte ich selbst jemanden,
der mir glaubhaft rüber bringt, dass die Saison nicht so weiter
läuft wie bisher. Wenn Sie es nämlich sollte, dann gut Nacht
bezahlter Fußball in Cottbus.
Wie schon in der Nacht nach dem Aachenspiel, herrscht bei mir
Ratlosigkeit vor. Soll es nur am fehlenden Glück liegen?
Normaler Weise ein Unding, das Glück ins Spiel zu bringen.
Obwohl wir damit in dieser Saison nun wirklich nicht gerade
gesegnet sind. In Jedem, aber auch wirklich Jedem Spiel, gab es
diesen einen besonderen Augenblick. Dieser, in dem sich doch
noch etwas zum Guten kehren könnte. Egal ob die Elfer von Reghe,
diverse Schiedsrichterentscheidungen oder die Kopfbälle von Mok,
Tusche und Vragel. Immer wären diese Situationen ein bis zwei
Punkte (Wenn auch z.T. unverdiente) wert gewesen. Auch Gestern
fehlte uns sowohl in einigen Szenen vor des Gegners Tor
(Jungnickel, Mokhtari, Löw), als auch beim 0:1 (74., Direkter
Freistoß von Schmidt aus ca.30m.) als Gunnar Berntsen im 5er
behindert wurde, wieder das Glück. Aber liegt es wirklich daran?
Glück? Wäre ein torgefährlicher Sturm Glück? Oder sollte man von
einem gut bezahlten, durchtrainierten Fußballprofi Überblick und
Schusskraft verlangen dürfen? Woran liegt es, dass sich Iordache
und Jungnickel Woche für Woche im Versieben von Torchancen
überbieten? Aber wen bringen? Wäre ein funktionierendes
Mittelfeld Glück? Oder sollte man von einem gut bezahlten,
durchtrainierten Fußballprofi Einsatz und ein halbwegs
ansehnliches Passspiel erwarten dürfen? Wieso boten unsere
Mittfeldler nur entweder das Eine, oder das Andere? Mok und
Reghe könnten, wenn sie wollten. Aber wollen sie auch? Ich weis
es nicht? Vielleicht wäre ja auch eine eingeschworene,
zahlreiche und in erster Linie treue Fangemeinschaft Glück? Oder
ist es normal, dass die Haupttribüne im ganzen Spiel nicht zu
hören ist? Auf der Gegentribüne war wenigstens der Jubel einiger
Hundert beim Siegtreffer des Gegners zu hören. Toll. Richtig
Einsatz zeigte wieder nur der I-Block, besonders nach dem
Abpfiff. Da beschloss man nämlich sich gegenseitig zu vermöbeln!
Ich bin ratlos.
Irgendwie liegt es überall im Argen. Irgendwie liegen überall
die Nerven blank. Bei Vereinsführung, Spielern und besonders
Fans. Liegt das nur an den derzeitigen Ergebnissen, oder an
überzogener Erwartungshaltung? Denn erst mit Solcher ist die
momentane sportliche Situation wirklich so schlecht. Was ich in
den vergangenen Wochen alles an Selbstzerfleischung und
Stimmungsmache hören, lesen und sehen musste, war teilweise
unerträglich. Ich kann und will mir das eigentlich gar nicht
mehr geben. Nur die (mittlerweile tatsächlich) Sorge um den,
meinen, Verein, ließ mich nicht Daheim sitzen. Wenn alle hier so
munter weiter streiten, sehe ich den Fortbestand des Clubs
ernsthaft gefährdet. Die Auflösung von Innen droht!
Der tiefe Riss, der die Cottbuser Fangemeinde teilt, teilt
scheinbar auch die Mannschaft. Denn es sah nicht wirklich nach
Zusammenspiel aus, was uns da gezeigt wurde. Keiner riss das
Spiel an sich. Alle liefen immer nur mit, teilweise nicht mal
das. Auch Tusche (34. für Mok) konnte nur kurzzeitig Akzente
setzen. Beinahe jeder gewonnene Ball, wurde postwendend per
Fehl- oder Alibipass dem Gegner zurück gereicht. Das in der
vorletzten Minute noch das 0:2 (klassischer Konter) fällt,
rundete den Abend dann endgültig ab. Mieses Spiel, schlechter
aber cleverer Gegner, Schlägereien unter den Zuschauern im
I-Block. Fußballherz, was willst du mehr?
Die beiden Lichtblicke bildeten: Der wie immer hart kämpfende
Steffen Baumgart. Wie er es schafft sich jede Woche neu zu
motivieren, ist mir ebenfalls ein Rätsel. Leider war er aber
auch wieder eher selten vor dem Tor zu sehen. Dafür aber, wie
auch in der Vorwoche schon, ab und zu mal Retter, als letzter
Mann!?!?! Und, man höre und staune: die Defensive. Sie zeigte
heute eine interessante Neuerung. Eine Dreierkette mit
zusätzlich zwei ins Mittelfeld vorgezogenen Außenverteidigern.
Was dabei nun: "offensiver als zuletzt" sein soll? Ihr ahnt es
sicher, ich hab keinen Schimmer. Aber sie arbeitete gut, und
verschob sich mit Unterstützung der Außen sehr schnell zum
(zugegeben nicht oft, und auch nur drei mal gefährlich
auftretenden) Gästeangriff.
Nun steht Energie, nach der zweiten Heimpleite in Folge, auf
einem Abstiegsrang. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich
finde Sander und Hossmang sollten ihre Chance bis zur
Winterpause dennoch kriegen. Das Ente etwas reißen will, zeigte
er mit der sehr (oder doch zu?) frühen Auswechselung von Youssef
Mokhtari. Bitte keinen abgehalfterten, überteuerten "Retter" der
Marke Zahnleitner o.ä. bei Energie. Möglicherweise wird ja ein
ganz Anderer zum Retter, mit Toren zum Klassenerhalt. Wenn er
doch nur endlich wieder spielen könnte...
"Stussysweltreporter" Rossi