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Stand

14.12.2004

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Bilder und Berichte

Erster Spatenstich für den Neubau der Osttribüne im Stadion der Freundschaft am 26

FC Energie Cottbus - Karlsruher SC 4:1 am 10.12.2004 vor 8.500 Zuschauern im Cottbuser Stadion der Freundschaft

Cottbus im Dezember. Es ist Freitagabend, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das Tabellenschlusslicht der 2. Fußballbundesliga bestreitet sein letztes Spiel, vor der so sehnlich erwarteten Winterpause. Eine Stunde vor Anpfiff erreiche ich den Stadionvorplatz. Zu hören sind nur die Karlsruher Fans. Im Hinterkopf geistern mir die Probleme des Vereins rum: Trainerwechsel mitten in der laufenden Hinrunde, sechsstelliges Haushaltsloch, vier Niederlagen in Folge, gespaltene Anhängerschaft, verunsicherte Mannschaft, erstmals Letzter, Minuskulissen bei den vergangenen Heimspielen, zehn gesperrte oder verletzte Profis, usw. usf.. Nicht wie zuletzt in den "I", nein in den G-Block stelle ich mich. In die Kurve also, so wie früher. Dort habe ich in dieser Saison noch keine Niederlage gesehen, vielleicht hilft's ja.

Das Spiel beginnt, und die Energie-Rumpfelf macht Druck. Aber kaum sind sieben Minuten gespielt, liegt man auch schon wieder zurück. Geht das schon wieder so los? Das darf doch nicht wahr sein. Der KSC macht mit seinem ersten Angriff das Tor. Langer Ball aus dem Mittelfeld, Kopfballverlängerung von Dundee am Strafraumrand, Schwarz zieht frei stehend ab, keine Chance für Berntsen. Mist! Aber irgendetwas war diesmal anders. Zwar schien sich das bis dahin gut spielende Team durch das Gegentor wieder verunsichern zu lassen, aber nur kurz stockte das Offensiv-Spiel. Und noch etwas fiel auf. Wo gegen Wacker noch "Wir ham die Schnauze voll!" oder Beifall für des Gegners Tor zu hören war, erklang dieses Mal aufmunternde Anfeuerung. Ob der offene Brief der Mannschaft, in dem um Unterstützung gebeten wurde, geholfen hatte? Oder das Treffen zwischen Spielern, Verantwortlichen und Fans unter der Woche? Möglicher Weise hatten aber auch Einige wirklich begriffen worum es heute ging. Nach einigen Minuten vorweihnachtlicher Besinnlichkeit, nahm Energie dann wieder das Heft des Handelns in die Hand. Konzentriert und mit der nötigen Ruhe baute der FCE seine Angriffe auf. Meistens über die beiden Kreativen Moki und Reghe (heute Spielführer). Aber auch die defensiveren Schöckel, Rost und ganz besonders Ogungbure machten eine gute Partie. Ein Vorteil der neuen Dreierkette, ist natürlich die Überzahl im Mittelfeld. Außerdem hätte man nach den Ausfällen von Beeck, da Silva, Nikol, Berhalter, Gunkel und Löw eh keine sinnvolle Viererkette zusammen bekommen. Sogar der unter Ede schon aussortierte, und zu den Amateuren abgeschobene Rayk Schröder, kam zu seinem ersten Einsatz seit zweieinhalb Jahren.

Nach einer halben Stunde schnürte man die Karlsruher am eigenen Strafraum ein. Selbstverständlich standen die mit ihrer Auswärtsführung im Rücken sehr tief und dicht in der Abwehr, taten nichts nach vorne. Aber genau dies lies unseren Helden den nötigen Platz zum kombinieren. Wenn das mal kein Fehler war. Und gibt es nicht ironisch-schöne Geschichten im Fußball? 32. Minute: Ecke von Reghecampf, abgewehrt, der Ball kommt zu Rost, der flankt nach innen, Schröder köpft zum langen Pfosten, Tor. Der Wahnsinn! Nach seiner Rückkehr 2002, folgten zwei Spielzeiten voller Verletzungen. Vor einigen Wochen war ihm ein Wechsel nahe gelegt worden. Und nun trifft ausgerechnet Er in diesem so wichtigen Spiel zum Ausgleich. Auch wenn einige Nörgler behaupten der Ball wäre am Pfosten vorbei gegangen, hätte ihn nicht Masmanidis bei seinem Rettungsversuch über die eigene Linie gedrückt. Aber diesen Leuten fehlt wohl nur der Sinn für so schöne Geschichten ;-). Kaum hatte ich mich nach dem Torjubel beruhigt, durfte ich schon wieder tanzen (Platz genug hatte ich ja leider, bei nur 8.500 Zuschauern). Denn schon der nächste ernst gemeinte Angriff brachte die Führung. Mokhtari hatte einen Abpraller nach Vorarbeit von Reghe aus etwa zehn Metern eingeschoben. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, war das wirklich Energie da unten auf dem Rasen? Ja Sie war es, und wie. Angriff um Angriff rollte jetzt auf das Badenser Tor zu. Vom KSC kam fast gar nichts mehr. Leider konnte nicht noch vor der Pause erhöht werden. Aber gefeiert wurde trotzdem gleich, sicherheitshalber.

Zu Beginn der zweiten Hälfte, lief das Spiel genau wie zu Ende der Ersten. Diesmal aber in die andere Richtung. Logisch, war ja auch Seitenwechsel. Soll heißen, Energie stürmte weiter. Aber unser Null-Tore-Sturm Jungnickel/Iordache meißelte weiter an seinem Image. Nach einer Stunde endlich die Erlösung. 3:1! Wie schon der Ausgleich, resultierte der Nahschuss aus einem Eckball von L.A.R. Das sollte doch reichen, gegen diesen Gegner. Ach so der Torschütze, stimmt ja. Tja, wieder eine nette Geschichte am Rande. Ausgerechnet der Pechvogel vom Frankfurtspiel, Zoltan Szelesi, traf zur Vorentscheidung. Wie versprochen, machte er seinen verschossenen Elfer mit einem Tor wieder gut. Aber Cottbus hatte noch lange nicht genug. Warum auch, wenn man schon mal so nett eingeladen wird? So langsam fragte ich mich woran es lag, dass es heute auf einmal lief. Dass eine wirkliche Mannschaft zu sehen war, noch dazu eine spielende und kämpfende. Das Fax von Ede vor dem Spiel? Oder hatte man den Spielern etwa intern mit seiner Rückkehr gedroht? Vielleicht war aber auch der nach zwei Niederlagen schon mächtig unter dem Feuer der "Fans" liegende Petrick "Ente" Sander nicht ganz unschuldig, an dieser Wende.

Jedenfalls machte zwanzig Minuten vor Schluss Martin Hysky den Torreigen der Cottbuser Dreierkette perfekt. Das nenn ich mal ne offensiv ausgerichtete Abwehr. Aber Recht hat er, wenn hinten eh nix passiert und der Sturm nix gebacken kriegt, machen halt die Verteidiger die Tore. Und (Oh Wunder!) wieder nach einer Standartsituation, fiel das vierte Tor. Freistoß vom heute überragenden Youssef Mokhtari, der Ball fliegt durch den Strafraum, Hysky springt am höchsten, drin. Unglaublich, vier Energietreffer in einem Spiel! In den letzten vier Spielen, gab es zusammen nur zwei. Danach war die Sache eigentlich durch. Drei, meiner Meinung nach, interessante Szenen gab es noch. Erstens, die Einwechselung von Sebastian Schuppan. Es war das Debüt des 18jährigen aus der A1-Jugend. Dort ist er als linker Mittelfeldspieler sehr torgefährlich. So was fehlt uns eigentlich noch. Und auch seine ersten Minuten Profifußball ließen hoffen. Zweitens, eine der ganz wenigen negativen Szenen von Schröder. Kurz vor Spielende, verfehlt er einen Ball. Diesem geht Sean Dundee nach, um im Strafraum von Gunnar Berntsen (Gelb) umgerannt zu werden. Klarer Elfmeter für Karlsruhe. Der Gefoulte selbst vergibt aber kläglich. Drittens, eine absolute Revolution im Cottbuser Support. Die Haupttribüne fordert die Ultras mit einem "Hey Block I!" zu Wechselgesängen auf. Hammer! Danke Luxxe, Adler und wer noch dabei war, dass ich das mal hören durfte. Wird wohl einmalig bleiben, oder?

Als nach der bisher besten Saisonleistung der elfte Tabellenplatz ausgerufen wurde, wünschte ich mir die sofortige Abschaffung der Winterpause. Tja, schon komisch. Man will irgendwie immer das, was man grad nicht hat. Wie auch immer, dieses Spiel sowie die zweite Hälfte in Frankfurt, lassen mich doch besser gelaunt ins neue Jahr gehen. Endlich ist dieses verdammte 2004, zumindest fußballerisch vorbei. Während der traditionellen Nachbetrachtung auf dem Vorplatz, erfuhr ich dann dass "Ente" Cheftrainer wird bzw. bleibt. Ob Er nun das Vertrauen der Vereinsführung besitzt (Meines besitzt Er!), oder der Verein sich einfach keinen Anderen leisten kann, sei mal dahin gestellt. Am Ende zählt wahrscheinlich nur der sportliche Erfolg. Und der wird sich einstellen. Davon bin ich mittlerweile wieder fest überzeugt. Denn in der Rückrunde ist auch wieder mit Cottbuser Stürmertoren zu rechnen.

Eine frohe Wintersonnenwende wünscht, ein ab jetzt für alle Zeit (versprochen!) im G-Block beheimateter Rossi.

     

Die Bilder zum Spiel gibt es hier ...

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