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Neue Seite 1

Stand

24.01.2005

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Bilder und Berichte

Erster Spatenstich für den Neubau der Osttribüne im Stadion der Freundschaft am 26

FC Energie Cottbus - 1. FC Köln 3:5 vor 11.000 Zuschauern am 23.01.2005 im Cottbuser Stadion der Freundschaft

 

Endlich wieder Fußball. Nach dem bekannt werden des Etatlochs, dem Umsturzversuch der vereinsinternen Opposition, dem Notverkauf der beiden Leistungsträger Thurk und Reghecampf, dem Kreuzbandriss von Gunnar Berntsen, der Beurlaubung von Manager und Energie-Urgestein Klaus Stabach und den beiden "offenen Briefen" der sich nie zuvor so deutlich gegenüber stehenden Fanlager innerhalb von nur drei Wochen, gab es heute ENDLICH WIEDER FUßBALL!

Was man da so aus dem obligatorischen Wintertrainingslager in Dubai sah und hörte lies hoffen. Selten hatte man eine so gute und gelöste Stimmung in der Mannschaft erlebt wie unter den Trainern Sander, Hoßmang und Köhler. "Den Kopf der Spieler frei bekommen.": wollte Petrick Sander. Scheinbar war ihm das gelungen. Aber wie wird man den sportlichen Aderlass verkraften? (Mein) Hoffnungsträger für die Rückrunde Michael Thurk und Top-Vorbereiter L.A. Reghecampf mussten dem wirtschaftlichen Überleben des Vereins geopfert werden. Gleich zu Beginn der Vorbereitung griff in unnachahmlicher Art und Weise wieder das vom FCE perfektionierte System des Job-Sharings für Torhüter. Der gerade erst nach seinem Schulterbruch genesene Piplica übernahm wieder den Platz zwischen den Pfosten, nachdem wie schon vor gut einem Jahr jetzt wieder Gunnar Berntsen mit seiner schweren Verletzung dran war. Tja, gutes Timing ist eben alles. Weiterhin fehlten natürlich die Verletzten Beeck, Latoundji, Nikol, Berhalter, Ogungbure und da Silva. Und um die erste Abwehrreihe zu komplettieren, war Löw noch rotgesperrt. Bei noch 16 einsatzfähigen Profis, fiel dem Trainer die Aufstellung natürlich ausgenommen leicht. Ist doch auch was.

Unser Gegner, der 1.FC Köln, hatte da doch schon einiges mehr zu Grübeln. Lukas Podolski lief jedenfalls genauso auf, wie sein, in der Winterpause mal eben in die zweite Liga geholter, Nationalmannschaftskollege Rahn. Angesichts des zweieinhalb Mal höheren Etats, der ja u.a. auch die Verpflichtung des griechischen Nationalhelden und Europameisters Tsiartas zuließ, der Tatsache dass Köln fast so viele Auswärtspunkte hat wie wir insgesamt, und eben eines Stürmers wie Podolski der in bisher 14 Spielen neun mal traf (also dreimal so viel, wie alle unsere Stürmer zusammen in der gesamten Hinrunde!!!), konnte man also getrost von einer anderen Liga sprechen.

Zurück zum FCE. Hier hatte "Ente" Sander in der Vorbereitung sein neues System weiter einüben lassen. (Da es sich hierbei um eine Neuerung handelt, werde ich kurz darauf eingehen.) Dieses sieht ein 4-4-2 vor, das bei eigenem Angriff blitzschnell auf ein für Cottbuser Verhältnisse beachtliches 3-4-3 umstellt. Einer der Außenverteidiger rückt bei Ballbesitz ins Mittelfeld auf, während der rechte Mittfelder im Sturm für Überzahl sorgt. Die verbliebenen Abwehrspieler bilden eine Dreierkette. Offensiv kann man von einer Raute sprechen. Der einzige, auch als solcher anzusprechende, Stürmer Baumgart steht im Zentrum. Flankiert wird er von zwei schnellen Außenspielern. Mokhtari hat nun endlich die Freiheiten die er braucht um das Spiel an sich zu reißen, und ist in der Mitte als Spielmacher gesetzt. Abgesichert wird er von zwei defensiven Mittelfeldspielern, die aber abwechselnd auch mit in die Angriffe einbezogen werden.

Zum Spiel: Die Älteren werden sich vielleicht noch an die überfallartigen Angriffe des FCE zu Regionalligazeiten erinnern. Da gab es keine Quer- oder Rückpässe, kein taktieren oder belauern. Sofort wenn einer den Ball erkämpft hatte rannte Alles wie vom Teufel persönlich gejagt zum gegnerischen Strafraum. Und irgendwie stand immer einer frei, da der Abwehr gar keine Zeit blieb sich zu stellen. Okay, mag sein dass ich die Vergangenheit beschöne und natürlich spielte man damals auch gegen Truppen wie Spandau oder Velten, aber so etwas vermisste man in den letzten Jahren. Also ich wenigstens. Zu Beginn des Spiels jedoch, fühlte ich mich in diese Zeit zurück versetzt. Angriffsfußball von Anpfiff weg. Schon in der vierten Minute setzte sich Iordache in der Mitte durch und zog ab. Bade konnte nur seitlich abprallen lassen, und Baumgart schob ein. Und trotz Führung, griff Cottbus weiter an. Fünf Minuten später, steht auf einmal nach einem Freistoß Podolski frei außerhalb des 16ers. Er zieht volley ab und trifft Rayk Schröder, dieser fälscht den Ball so unglücklich ab dass er über Pipi ins Tor geht. Verdammt. Hat sich's etwa schon wieder? Nein. Es ging weiter nach vorn. Die Kölner Abwehr wurde danach ein ums andere Mal einfach überrannt. Mokhtari verteilte die Bälle aus der Mitte heraus, und die schnellen Iordache und Brunnemann liefen ihren Gegnern davon. Chancen im Minutentakt, Köln wackelte gewaltig. Nach Vorarbeit von Gunkel säbelt Baumgart völlig frei stehend über das Tor. Kurz danach wird Iordache von Voigt im Strafraum geblockt, Gelb und Elfmeter. Aber was nützt das? Drei Elfmeter bekamen wir schon, drei vergaben wir schon. Mokhtari läuft an, schießt, trifft. 2:1 Wie? Getroffen vom Punkt? Das geht? Na wenn das der Reghe wüsste. Jetzt drückten die Kölner genau so wie Energie. Beide Mannschaften spielten mit offenem Visier. Leider haben die Kölner mit Streit einen sogar noch besseren Außenspieler auf dem Feld. Mehrmals geht er über Szelesis rechte Abwehrseite wie ein heißes Messer durch ein Pfund Butter. Und flanken kann er auch. Piplica muss mehrmals retten. Und wie er das macht, ganz große Klasse. Er scheint wieder vollkommen fit zu sein. Auch einige seiner berüchtigten Ausflüge lässt er wieder kucken. Aber auch Bade muss u.a.gegen Baumgart retten, da Energie weiter anrennt. Dann wieder Freistoß Köln im Mittelfeld. Der Ball fliegt lang und hoch durch den Strafraum, keiner kann ihn erreichen. Auf einmal fällt am langen Pfosten Voigt um. Ein Pfiff ertönt, Elfmeter. Ich muss ehrlich gestehen dass ich mich erst durch den TV-Bericht davon überzeugen ließ, dass es keine Schwalbe war. Brunnemann war mit der Hand dran. Wie auch immer. Poldi läuft an, Pipi springt nach links, Poldi schießt nach rechts, Ausgleich. Und das so knapp vor der Pause. Aber mit der gezeigten Leistung, gegen diesen Gegner konnte man mehr als zufrieden sein.

Neue Halbzeit, gleiches Spiel. Zwar nicht ganz so kompromisslos wie vor dem Wechsel, aber immer noch schnurstracks nach vorne spielten beide Teams. Bei den Kölnern muss man die Leistung von Streit heraus heben. Bei Energie zeigten Mokhtari, Brunnemann und auch Iordache sehr starkes Offensivspiel. Leider vergab man weiterhin seine Chancen. In der 57. Minute, standen dann auf der linken Seite erst Iordache und dann Schöckel zu weit von ihren Leuten entfernt. Das Resultat: Die Führung der Rheinländer durch einen sehenswerten Heber von Albert Streit. Danach rannte beim FCE alles nach vorn, der Ausgleich musste doch zu erzwingen sein. Leider kam wiederum Streit an den Ball. Dieser schlug ihn weit nach vorn auf den pfeilschnellen Podolski, der als einziger Kölner noch in Höhe der Mittellinie auf Konter wartete. Und einen solchen fuhr er nun. Szelesi grätsche als letzter Mann ins leere, und Prinz Poldi ging alleine auf den Strafraum zu. Tomi hatte aufgepasst, kam raus und konnte ihm an der Strafraumgrenze den Ball vom Fuß klatschen. Podolski dreht sich vom Tor weg, nimmt den Ball wieder auf und geht einige Schritte in Richtung Mittelfeld. Anstatt sofort wieder ins verwaiste Tor zurück zu rennen geht Piplica im nach. In ca. 25 Metern Torentfernung eine erneute Drehung von Podolski um Pipi herum, ein ansatzloser Schuss ins linke obere Toreck, die Vorentscheidung. Ich habe lange darüber nachgedacht warum Piplica nicht einfach zurück gegangen ist. Ich kam zu keinem logischen Ergebnis. Fairer Weise muss man aber sagen, dass er in dieser Situation ziemlich allein gelassen war. Die zurück gerannten Schröder und Szelesi beschränkten sich darauf das leere Tor zu decken. Auch Hysky und Schöckel gingen zu spät von ihren Gegenspielern weg um ihm zu helfen. Zwei Gegentore in Drei Minuten. Das bricht jedem Team das Genick. Totenstille im Stadion. Auch die die sich unter der Woche in ihrem offenen Brief die "aktive Fanszene" nannten und viel Einsatz dabei zeigten sich als die wahren Energie-Fans darzustellen schwiegen jetzt. Keine Anfeuerung, keine Unterstützung, nichts war zu hören.

Aber erstaunlicher Weise kämpfte die Truppe weiter. Doch nach einem Fehler, des gegen Karlsruhe von mir noch gelobten, diesmal aber schwachen Schröder ist es wieder Streit, der Schindzielorz steil schickt. Wieder muss Pipi raus kommen, diesmal leider nicht mit fairen Mitteln. Wieder Strafstoß. Wieder Poldi. Wieder Tor. 2:5. In zehn Minuten das Spiel verloren. Und dennoch gab man sich nicht auf. Und das beeindruckte mich zutiefst. Ich kann mich in den letzten Jahren nur an das Spiel gegen Führt erinnern, in dem Energie so tapfer kämpfte. Obwohl auch in Frankfurt neun Cottbuser die Eintracht einschnürten. Eine viertel Stunde vor Schluss keimte dann doch noch mal so etwas wie Hoffnung auf. Sinkala musste nach Foul an Brunnemann mit Gelb/Rot vom Platz. Und dieser Brunnemann machte das Spiel seines Lebens. Über Neunzig Minuten rannte der sich die Seele aus dem Leib. Und immer auf das gegnerische Tor zu. Auch wenige Minuten später. Da wurde er im Kölner Strafraum von den Beinen geholt. Kaum zu fassen, der vierte Elfmeter. Der heraus ragende Youssef Mokhtari, der mit einem herrlichen Flachpass die Situation erst eröffnet hatte, verwandelte zum 3:5.
Und auf einmal war das Stadion wieder da. Die Hölle brach los. Noch sieben Minuten plus Nachspielzeit. Und es gilt in Überzahl noch zwei Tore zu machen. Wer war da nicht an die Aufholjagd gegen 60 erinnert. Energie gab jetzt das Heft des Handelns nicht mehr aus der Hand. Mokhtari bricht links durch, passt in die Mitte, doch Iordache vergibt frei. Nachdem der eingewechselte Jungnickel zweimal erfolgreich unser Angriffsspiel mit taktischem Unvermögen sabotierte dies: Brunnemann flankt von rechts. Der heute gute Gunkel steigt fünf Meter vorm Tor hoch, kommt super hinter den Ball und köpft ihn in die Arme von Bade. Ich war am zusammen brechen. Gunkel völlig fertig und am Boden. Mok, der heute Kapitän war, zeigte sich als ein solcher und riss ihn wieder mit. Der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Kurz danach war dann auch Schluss. Was für ein Spiel! Acht Tore, davon vier Elfer.

Was dann geschah, richtete mir die Nackenhaare auf. Alle die noch im Stadion waren (Einige der 11.000 waren nach dem fünften Kölner Tor gegangen.) gaben der Mannschaft Standing Ovations. Mal bitte auf der Zunge zergehen lassen! Eine Heimniederlage mit fünf Gegentoren in einer sportlich und finanziell so brisanten Situation. Und die Zuschauer (Ich benutze hier absichtlich nicht das Wort Fans.) klatschen fünf Minuten Dauer-Applaus nach dem Spiel. Inklusive Welle und Allem drum und dran. Einfach riesig. Da war ich das erste Mal seit längerer Zeit wieder so etwas wie stolz darauf Cottbus-"Zuschauer" zu sein. So sehr ich es auch versuchte, ich konnte mich einfach nicht über diese Niederlage ärgern. Natürlich hätten wir die Punkte gebraucht, aber gegen Köln müssen wir sie nicht holen. Eher schon nächste Woche, beim direkten Mitbewerber um den Klassenerhalt Dynamo. Eigentlich habe ich mir nach mehreren negativen, zum Teil äußerst schmerzhaften, Erfahrungen mit der schwarz/gelben Pest, hoch und heilig geschworen nie wieder zum Fußball nach Dresden zu fahren. Aber nach dieser Leistung sage ich: "Scheiß auf die blauen Flecken und Platzwunden, wenn die Truppe so spielt, ist es mir das wert!"

"Stussysweltreporter" Rossi

     

Die Bilder zum Spiel gibt es hier ...

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