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Was ein Wetter Freunde! Herrlicher
Sonnenschein und milde Temperaturen begleiteten mich am
Sonntagvormittag in die Cottbuser Innenstadt. Wie schon vorm
Führt-Spiel, traf sich die Pinwand-Family zum gemütlichen Brunch
und wollte zusammen plauschen und frühstücken. Nicht nur das
Essen, nein auch die Gespräche am Rande waren wahrlich köstlich.
Zur Unterhaltung wurden dann noch lustige Spielchen wie
Digitalkameraweitwurf, Tattoomotivraten oder das bei den stets
geschickt ausweichenden Kellnerinnen wirklich knifflige
Kaffeebestellen abgehalten. Ich bin der Meinung, dass das zur
Tradition erklärt werden sollte. Problem ist nur dass man uns
jetzt öfters auf den Freitag verschoben hat.
Aufruf an die DFL: WIR BRAUCHEN MEHR SONNTAGSSPIELE!!!
Nach dieser netten Einstimmung, wanderten wir dann durch das
frühlingshafte Cottbus und seine ergrünenden Parks entlang der
Spree zum Stadion der Freundschaft. Hier sollte der Höhepunkt
des Wochenendunterhaltungsprogramms stattfinden - ein Heimspiel
des ruhmreichen FC Energie. Einmal mehr hatte dieser heute die
Chance sich mit einem Heimsieg gegen einen direkten Verfolger
aus dem Abstiegskampf ins halbwegs gesicherte Mittelfeld zu
verabschieden. Gegner war diesmal die SpVgg Unterhaching. Nur
einen Punkt hat der FCE Vorsprung auf die Speckgürtelmünchener,
derer vier auf den ersten Abstiegsplatz. Trainer Andy Brehme (Ja
genau, der mit dem Elfer 90.) hatte einige Besetzungsprobleme in
der Abwehr, konnte aber seinen kreuzgefährlichen Stürmerstar
Francisco Copado einsetzen. Auf Cottbuser Seite war bis zuletzt
unklar ob Tomislav Piplica nach seinem Zehenbruch in Ahlen, nach
nur einer Woche Pause wieder spielen könnte. Aber einmal mehr
zeigte sich, um was für einen Kämpfertypen es sich bei ihm
handelt. Mit einer Spezialmanschette am Schuh lief er
tatsächlich auf. Obwohl in einigen Situationen sichtlich
behindert, blieb er heute so viel sei vorweg genommen, im
Gegensatz zur Vorwoche fehlerfrei. Aber auch bei einem Debüt der
etatmäßigen Nr.3 André Thoms, wäre mir nicht unwohl gewesen.
Auch er hat schon seine Klasse beweisen können, wenn auch noch
nie in der Bundesliga. Den kurzfristigen, krankheitsbedingten
Ausfall von Sahin, kompensierte Sander in dem er Steffen
Baumgart zurück in die Sturmmitte holte, und Flügelflitzer
Meszaros auf rechts eine Chance gab.
Ich weiß nicht ob es an der Frühjahrsmüdigkeit lag, aber die
Mannschaft wirkte zu Beginn des Spiels doch noch ein wenig
schläfrig. In den letzten Begegnungen zu Hause hatte man ja
meist einen Blitzstart hingelegt, heute aber musste man sogar
aufpassen nicht schon früh in Rückstand zu geraten. Anfänglich
gab es in der Abwehr offensichtlich einige Probleme beim
Übergeben des 14-Tore-Manns Copado. Meist kam er hängend über
halbrechts, weshalb Löw ihn deckte. Wenn er dann aber in die
Mitte zog, war plötzlich die linke Abwehrseite entblößt. So und
ähnlich ergaben sich einige Gelegenheiten, die aber gottlob
ungenutzt blieben. Nach ca. 20 Minuten kam Energie zu seiner
ersten guten Möglichkeit. Mokhtari zog aus der Distanz ab und
nur mit Mühe konnte der Panzer im Hachinger Tor (Oder was sonst
ist ein Heerwagen?) den Schuss über das Dreieck lenken. Wenige
Minuten später legte er für Baumgart auf, dessen Kopfball aber
leider nur an die Querlatte ging. Schön und gut, aber leider war
es das dann auch schon fast in der ersten Hälfte. Wenn was ging,
dann durch die Mitte über Moki. Ich kann mich nicht erinnern,
auch nur einen gefährlichen Angriff über die beiden Außenstürmer
Schuppan und Meszaros gesehen zu haben. Wobei man Ersterem zu
Gute halten muss, dass er erst eine handvoll Spiele absolviert
hat, bei Ihm der Wille zu erkennen war und er den heute
stärksten Hachinger Feldspieler gegen sich hatte. Aber diesem
Bruno Custos war er zu keinem Zeitpunkt in puncto Schnelligkeit,
Zweikampfstärke, Cleverness oder körperlicher Robustheit
gewachsen. Aber was Norbert Meszaros da auf der rechten Seite
zeigte, bzw. eben nicht zeigte war wirklich erschreckend. In
zwei Fällen beobachtete ich wie bei einem Angriff in der Mitte
der Ball auf rechts gespielt wurde - und einfach niemand da war!
Genau dort wo er als Flügelstürmer hingehört, klaffte ein großes
Loch. Da macht sich dann der Abgang Reghecampfs doch schmerzlich
bemerkbar. "Ente" sah dies scheinbar ähnlich, und bereitete
einen Doppelwechsel vor. Aber nicht in, sondern noch drei
Minuten vor der Halbzeitpause erlöste er ihn von seinem Leiden,
und brachte Brunnemann. Dieser konnte in der zweiten Halbzeit
zwar leider nicht an seine Leistung aus dem Köln-Spiel
anknüpfen, zeigte aber doch, dass man auch mal mit schnellen
Vorstößen und dem Ball am Fuß in den Strafraum gelangen und
sogar zum Torschuss (weit drüber) kommen konnte. Warum man auch
Daniel Gunkel aus dem Spiel nahm, blieb mir zwar verborgen, aber
der für ihn ins Spiel gekommene Ade Ogungbure machte zumindest
seine Sache als Abfangjäger ganz gut. Ich persönlich muss
zugeben, mich für Beide gefreut zu haben, denn ich schätze sie
leistungsmäßig als etwa gleichwertig mit ihren, ihnen zuletzt
vorgezogenen Konkurrenten um einen Stammplatz ein. Während der
Halbzeitpause genoss ich die Frühlingssonne, einen lecker
Cappuccino und die angenehme Ruhe im Stadion.
Auch in der zweiten Hälfte, konnte ich mich dieses eher trägen
Gefühls nicht erwähren, dass die Truppe auf mich machte.
Irgendwie war kein richtiger Zug nach vorn drin. Man kann
wirklich nicht sagen, dass die (kleinen) Bayern sich hinten rein
gestellt hätten, wie RWE (West) vor zwei Wochen. Nein, Haching
arbeitete sehr gut im Mittelfeld, griff früh an, sorgte für
Überzahl und versuchte auch zu spielen. Erst nach einer Stunde
wurde es langsam besser mit der Energie. Zuerst gab es eine
nette Eckenserie, die zwar das ebenfalls ziemlich schläfrige, in
Stärke 9.500 erschienene Publikum kurzzeitig aus seiner
Lazy-Sunday-Afternoon-Lethargie erweckte, aber ansonsten nichts
einbrachte. Wobei auch hier wieder das Duell Mokhtari vs.
Heerwagen nur denkbar knapp für den Keeper ausging. Kurz danach
ein Linksschusshammer von Timo Rost, von außerhalb des
Strafraums - Millimeter fehlten. Diesmal hätte auch der
überragende Goalie keine Chance gehabt. Als dann noch ein
Kopfball von Baumgart trotz günstiger Vorraussetzungen weit
vorbei ging, stiegen so langsam Erinnerungen an das
Saarbrücken-Spiel in mir hoch. Nur hatten wir da schon 1:0
geführt, als wir die Chancen nicht nutzten und noch ein Gegentor
bekamen. Und da man weiß, dass Schied und Copado eigentlich
immer mal für ein Tor gut sind, wurde mir langsam unwohl. Meinen
obligatorischen 4:0-Tip konnte ich wohl mal wieder knicken. Ich
war der Meinung, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt für die
Heimspielpremiere des in der Winterpause aus Neuseeland (Womit
der FC Energie endlich einmal alle Kontinente unserer
wunderschönen Mutter Erde in seinem Kader vertreten hat.)
geholten Brent Fisher wäre. Und in der Tat, kam kurz danach
Leben in die Ersatzbank. Doch als sich Derjenige, der sich
gerade die Trainingsjacke abgestreift hatte umdrehte, erkannte
ich die Nr. 15. Jungnickel also, na immerhin etwas. Für ihn ging
Schuppan, ihm gehört sicherlich die Zukunft, leider aber noch
nicht die Gegenwart. Ich hoffe und erwarte eigentlich auch, in
Aue wieder Iordache als Linksaußen zu sehen. Der schießt zwar
auch keine Tore, aber kann sich mit seiner Schnelligkeit doch
hin und wieder durchsetzen und ist mit vier Assists immerhin der
zweitbeste Vorlagengeber im Team. Ca. zehn Minuten vor Schluss,
gab es dann eine Situation nach einer Ecke, bei der Jungnickel
und Hysky einen gegnerischen Konter nicht nur verschulden,
sondern quasi sogar vorbereiten. Ein Unterhachinger Spieler
saust auf unserer rechten Seite mit dem Ball auf und davon, und
ich seh ihn schon drin. Aber kurz vorm Strafraum konnte dieser
Angriff dann doch noch gestoppt werden. In der Schlussphase gab
es dann nur noch einen Kopfball nach Moki-Freistoß, aber wie
immer stand am Ende der Panzer im Hachinger Tor. Diesem gelang
dann kurz vor Schluss, im X-ten Versuch auch endlich noch eine
Verwarnung wegen Zeitspiels beim Abstoß zu erlangen, das war's.
Gelb hatte in der ersten Halbzeit übrigens auch schon Zsolt Löw
gesehen, womit nach dem nächsten Spiel theoretisch dreiviertel
der Viererkette mit einer Gelbsperre ausfallen könnten. Ich
hätte ehrlich gesagt einen der beiden Innenverteidiger
angewiesen sich kurz vor Schluss ne Verwarnung abzuholen, um
einen möglichen Super-Gau zu vermeiden. Mit dem Einsatz von
Gunkel in der Abwehr und Ade Ogungbure an seiner Stelle im
defensiven Mittelfeld, wäre man nur unwesentlich geschwächt
gewesen. So aber, könnte der vor kurzem gerügte Rayk Schröder
doch schneller als gedacht wieder im Team stehen. Das Resultat
von 0:0, ist trauriger Weise absolut passend für diesen müden
Kick. Obwohl Chancen vorhanden waren, gelang kein Tor. Aufgrund
des hinkenden Aufbauspiels der heutigen Flügelspieler und der
nicht existenten Durchschlagskraft des Energie-Sturms war und
ist man einfach nicht in der Lage so einem Gegner sein Spiel
aufzuzwingen und zum Torerfolg zu kommen. Positiv muss aber das
zentrale Mittelfeld und die Abwehrarbeit genannt werden. Außer
den anfänglichen Zuordnungsproblemen, stand man heute sicher und
ließ nichts zu. 5 Gegentore aus den letzten 8 Spielen sind ein
kaum zu unterbietender Wert, leider erzielte man auch nur ein
Tor mehr. Daher wird es niemanden verwundern zu lesen, dass die
Spiele mit Cottbuser Beteiligung die Torärmsten der gesamten
zweiten Liga sind. Hut ab übrigens vor Mokhtari und Baumgart.
Die beiden Spieler die mit jeweils zwei guten Chancen den Sieg
auf dem Fuß bzw. der Stirn hatten, stellten sich nach dem Spiel
noch zu einer Diskussionsrunde mit aufgebrachten Fans am Zaun.
Als Dank dafür mussten sich Beide zum Teil übel beschimpfen
lassen. Moki antwortete dass er wisse, dass er heute nicht das
gespielt hat was er kann, aber auch nicht allein siegen könne.
Baume war von dem Vorwurf des mangelnden Kampfgeists sichtlich
und hörbar erregt. Als dem Fan der ihm dieses vorgeworfen hatte
nach Kurzem die Argumente ausgingen und er gehen wollte pfiff
ihn Baume energisch zurück und führte das Gespräch zu Ende. Wenn
innerhalb der Mannschaft genauso offen und direkt über das Spiel
und die eigenen Schwächen gesprochen wird, und davon gehe ich
aus, dann sollte auch das Mut machen. Am Ende bleibt nur zu
sagen: Das war wieder einmal ein vergebener, wenn auch nicht
Spiel- so aber doch Satzball. Schade eigentlich, hoffentlich tun
uns diese Heimunentschieden nicht noch mal verdammt leid.
PS: Das Wetter war aber wirklich Klasse! Das fand nicht nur ich,
sondern auch ein knappes Dutzend Nutrias. Die ließen sich am
Spreeufer in der Leichhard-Allee beim gemeinsamen Fressen die
Abendsonne auf den Pelz scheinen. Ich war wieder an den Brunch
am Vormittag erinnert, als wir beim mittlerweile unter die
Gastwirte gegangenen Franklin zu Gast waren. Ob man den noch mal
zu nem Comeback hätte überreden sollen? Vor fast genau sechs
Jahren schoss er mal drei Tore nach einer Einwechselung - gegen
Unterhaching! "Stussysweltreporter"
Rossi |