Endlich gab es
im Verlaufe der Woche die Nachholspiele, so daß die Tabelle
wieder aussagekräftiger wurde. Für Cottbus bedeutete das
jedoch, daß den FC Energie nur noch ein Punkt von den
Abstiegsplätzen trennt. Da die Ärzte dem Trainer Petrik Sander
abrieten, sich dem Geräuschpegel im Stadion auszusetzen, wurde
er von Thomas Hoßmang vertreten. Schade, daß trotz
verbilligten Preisen auf dem Oberrang der neuen Tribüne
insgesamt nur 8650 Zuschauer zu diesem wichtigen Spiel in das
Stadion der Freundschaft kamen.
Gleich zu
Beginn zeigte sich Trier ein paar Mal vor dem Cottbuser Tor
und hätte durchaus in Führung gehen können. Piplicas
unbeabsichtigter "Querpaß" auf die rechte Seite machte
deutlich, daß ein an den Nerven rüttelnder Konkurrenzkampf um
die Torwartposition für die kommende Saison stattfindet. Seit
einigen Spielen wird neben dem Stammtorhüter auch André Thoms
intensiv vor dem Spiel erwärmt bzw. sein Leistungsstand
geprüft. So kurz vor dem Spiel sicher nicht gerade zu Piplicas
Freude. Dafür legte dieser in seiner Aufwärmphase mit Ball
dann richtig los. Ein Pirat und Kämpfer gibt eben seinen Platz
nicht so schnell her!
Doch zurück
zum Spiel. Die erste Offensivaktion des FCE führte gleich zum
Erfolg. In der 7. Minute wurde der Ball geistesblitzartig auf
den halblinks durchgestarteten Mokhtari durchgesteckt. Dieser
flankte in die Mitte und wenige Meter vor dem Tor stand
Iordache da, wo ein Stürmer hingehört. Nach nunmehr 26
Einsätzen endlich sein erstes Tor in dieser Saison!
Der FCE
spielte wieder ein 4-4-2 System. Die nachrückenden linken und
rechten Mittelfeldspieler besetzten bei Offensivaktionen die
Außenbahnen in der gegnerischen Hälfte. Gleichzeitig gab es
zentral auch immer mindestens einen Abnehmer für die
Flanken. Das erhöhte, wie von den Trainern angekündigt,
besonders in der 2. Halbzeit die Durchschlagskraft.
In den ersten
5 Minuten der zweiten Hälfte begann Trier noch recht
ordentlich. Man sah, daß sie sich mit einer Niederlage
zunächst nicht abfinden wollten. Dann aber drehte Energie auf.
Nicht zuletzt aufgrund des sehenswerten Volleytores von Zoltan
Szelesi in der 53. Minute nach einer gefährlichen Hereingabe
von links. Übrigens gelang zur Halbzeitpause beim
Torschußtraining dem Damir Suljanovic per Volleyschuß ein Tor
aus etwa der selben Position.
Zugegeben, die
Gäste gingen kaum noch in die Zweikämpfe und überließen dem
FCE immer mehr das Mittelfeld. Aber Cottbus reagierte deswegen
nicht überhastet, sondern fand in den kommenden 20, 25 Minuten
die richtige Mischung aus Übersicht und konsequenter
Offensive. Beinah jeder Spieler beteiligte sich am
konstruktiven Spielaufbau. Ein Angriff nach dem anderen rollte
auf das Trierer Tor. Es wurde immer wieder gefährlich. Da der
FCE mit überlegtem und präzisem Paßspiel agierte, ergaben sich
für den Gegner nicht mehr ganz so viele gefährliche Konter,
wie das noch in den letzten Spielen der Fall war. Die wenigen
Angriffe der Gäste landeten zudem meist im Abseits. Das trieb
Trier zunehmend zur Verzweiflung.
Leider
verzweifelte auch ein Spieler des FCE. Steffen Baumgart hatte
einige Großchancen. Ihm hätten sicher die meisten Zuschauer an
diesem Freitag ein Tor gegönnt. Aber so ist das häufig. In
vorherigen Spielen hat man kaum Chancen und muß viel nach
hinten arbeiten. Und nun, wenn die Chancen da sind, will der
Ball einfach nicht ins Tor. Dennoch glaube ich, daß Baumgart
noch das ein oder andere wichtige Tor in dieser Saison
erzielen wird.
Der FCE wäre
nicht der FCE, wenn er es am Ende nicht noch mal spannend
machen würde. Da schnappt einmal die Abseitsfalle nicht zu und
schon erzielt Trier den Anschlußtreffer zum 2:1. Cottbus -
zwar beeindruckt - ließ sich aber nicht mehr von der Linie
abbringen. Vielleicht auch deshalb, weil nur noch 4 Minuten
plus Nachspielzeit zu spielen waren.
Schiedsrichter, so sagt man, sind immer dann gut, wenn sie ein
Spiel unauffällig leiten. Ich komme deshalb nicht umhin, ein
paar Worte über den Unparteiischen zu verlieren. Ein paar
Fehler verzeihe ich ihm ja, aber spätestens das Wegpfeifen des
Vorteils (Baumgart läuft allein auf Ischdonat zu.) und die
beiden nicht gegebenen Elfmeter waren zuviel des "Guten". Bei
den Elfmetern sind die Schiris sonst immer sowas von
zimperlich, geben Strafstoß, wenn man im Strafraum mit dem
kleinen Finger das Trikot des Gegners auch nur antippt! Aber
hier wird jeweils im Strafraum Iordache von hinten in die
Hacken getreten und Baumgart mit beiden(!) Händen umgeschubst.
Von den rüden Fouls an Baumgart ganz zu schweigen.
Der
letztendlich knappe Sieg täuscht über das weitgehend gute
Spiel des FCE hinweg. Nicht wenige "sahen" den FCE 4:0 oder
höher gewinnen. Das sind ganz wichtige Punkte im Kampf gegen
den Abstieg. Aber warum muß dem FC Energie in Sachen
Klassenerhalt erst das Wasser bis zum Hals stehen, um mal so
eine ansprechende Leistung abzurufen? Die Mannschaft kann es
doch!
Nach dem Spiel
versammelten sich einige Pinwand-User zur Spielauswertung vor
dem G-Block. Dem zum Auslaufen auf das Spielfeld
zurückgekehrten Nico Patschinski wurde noch nahegelegt, sich
nicht noch einmal, wie 2001 beim Spiel des FC Energie bei
St.Pauli, die Schuhe mit einem Energietrikot zu putzen. Er
konnte sich das Lachen nur schwer verkneifen. Später verrieten
laute Kratzgeräusche im Spielertunnel, daß er sich diesmal ein
neues Inventar des FCE zum Schuheputzen ausgesucht hat…